Montag, 3. September 2007
Point Blank
In diesem Film geht es um Rache, verratene Freundschaft, Untreue und Enttäuschung, doch vor allem geht es um eins: ums Prinzip.
Genau das scheint für Walker (Lee Marvin) verletzt worden zu sein, da er für gerade einmal 93000 Dollar den Kampf gegen ein millionenschweres Kartell beginnt. Um genau diese Summe wurde er von seinem vermeintlichen Freund Mal Reese (John Vernon) bei einem Raubüberfall betrogen, der ihn bei dieser Gelegenheit gleich noch töten wollte und ihm dazu noch seine Frau Lynne (Sharon Acker) ausspannte.

Nachdem er in das Haus seiner Frau stürmt und wie wild auf das Bett ballert, im Glauben, Reese würde darin liegen, wandeln sich seine Motive (für mich der ästhetischste Moment des Films, als er in seiner Erinnerung in verlangsamter Darstellung den Schuss noch einmal abgibt.):
Walker scheint schon so desillusioniert zu sein, dass ihm der Sinn nicht mehr nach Rache steht, sondern es ihm einzig um das Geld geht, das ihm immer noch zusteht, oder eben ums Prinzip, da die Summe nicht so übermäßig hoch ist.
Oder passiert hier etwas anderes? Treten hier nun seine persönlichen Motive zurück, tritt sein gesamtes Menschsein in den Hintergrund und er stellt nun etwas anderes dar?
Eine Art Nemesis, der man nichts mehr anhaben kann, die unverwundbar ihren gerechten Zorn auf die Personen loslässt, die sich unmoralisch verhalten haben und das immer noch tun?

Die Bestrafung beginnt mit Walkers Frau, die sich nach der Begegnung mit ihm, sich das Leben mit Schlaftabletten nimmt, nachdem sie Walker ihre Untaten gebeichtet hat.

Der Walker geht weiter, das Geräusch seiner Schritte hat man stets im Hinterkopf, so dröhnend und auch leicht unnatürlich, künstlich, losgelöst vom Körper, erscheinen sie zu Beginn, diesmal zu Mel Reese, dessen Tod eher duch einen Unfall verursacht wird, als ob sich Walker nicht selbst die Hände schmutzig machen muss, die Bestrafung für die Personen unaufhaltsam ist, und Walker nur derjenige, der die Bestrafung lostritt, aber nicht durchführt.
Das setzt sich fort mit der Tötung von Frederick Carter (Lloyd Bochner), der durch den Killer getötet wird, den er selbst angeheuert hat.
Derselbe Killer tötet später auch Brewster (Carroll O`Connor), der Walker vermeintlich zu seinem Geld verhelfen will.
Dies alles erinnert doch sehr stark an Geschichten aus der griechischen Mythologie, allerdings verlagert in die Grosstadtszenerie der 60er.
Unterstützt wird diese Annahme noch durch die Rolle des Yost (Keenan Wynn), der überall auftaucht, Walker von einem Ort zum nächsten schickt und ihn seine Absichten erledigen lässt, also eine Art Gott, zumindest aber der, der die Fäden im Hintergund zieht und vor dem sich dann selbst Walker am Ende dezent in den Schatten zurückzieht.

Was dazu auffallend ist, ist der exzessive Gebrauch von Rückblenden, in denen Walker sich erinnert an seine versuchte Ermordung und an verschiedene Etappen seines Weges, Bilder die ihn den ganzen Film über nicht loslassen werden.

Außerdem positiv ist die relative Kürze des Films (88 Minuten): Die Story wird ohne Abweichungen flüssig erzählt, schön und sinnvoll finden die Ortswechsel statt.

Noch ein Wort zu den Hauptdarstellern: Lee Marvin spielt seine Rolle herausragend und bildet mit seinem kantigen Gesicht einen schönen Gegensatz zu den sanften Zügen einer Angie Dickinson, die seine Freundin Chris spielt, welche ebenso überzeugt, vor allem in den Szenen in denen sie kleine Anfälle bekommt, wenn sie auf ihn einschlägt, erfolglos, und ihm später dann das Queue an den Kopf haut, das schon erfolgreicher:
Sie bekommt ihn ins Bett. Diese Absicht hat Walker, klug wie er ist, schon zuvor durchschaut, im coolsten Dialog des Films: "Das wird keine Bettgeschichte"in Brewsters Haus, womit er allerdings falsch liegt.

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