Montag, 3. September 2007
Insider
flonold, 00:04h
"Insider" wurde siebenmal für den Oscar nominiert. Diese Nominierungen erfolgten zu Recht. "Insider" ist ein eindrucksvoller Film, der zudem auf einer wahren Begebenheit basiert:
Der Biochemiker und leitende Angestellte Jeffrey Wigand (Russell Crowe) von seinem Arbeitgeber, einem Tabakkonzern, entlassen wird, weil er mit der Beimischung von Zusatzstoffen in die Zigaretten, die die Abhängigkeit stärken, nicht einverstanden ist. Er kommt mit dem Fernsehjournalisten Lowell Bergman (Al Pacino) zusammen, der ihn ermuntert, trotz einer Verschwiegenheitsklausel in Wigands Vertrag, an die Öffentlichkeit zu gehen. Der Widerstand des Tabakkonzerns und Bedenken innerhalb des Fernsehsenders gefährden allerdings dieses Vorhaben.
Dass diese Geschichte Stoff für eine Länge von mehr als 2,5 Stunden ergibt, ist bei einer bloßen Inhaltsbeschreibung kaum nachzuvollziehen. Jedoch: Der Film schafft es und er schafft es bestens.
Man kann diesen Film ein wenig mit dem im Mai 2007 startenden Film "Zodiac- Die Spur des Killers" vergleichen. Wie jener beruht "Insider" auf einer wahren Begebenheit, wie bei jenem wird der Fall in aller Breite aufgerollt und somit mehrere Personen sehr genau charakterisiert, somit ist auch die Dauer annäherend gleich. Bei beiden gibt es dramatisierende Erfindungen und bei beiden spielt die Presse eine wichtige Rolle.
Der große Unterschied besteht darin, dass bei "Zodiac" ein Unbekannter, ein Phantom, der Täter ist, der mit seinen Taten bewusst an die Öffentlichkeit geht, während es hier der große Bekannte, der Tabakkonzern ist, der die Wahrheit vertuschen will.
Dass es sich bei "Insider" um einen Film von Michael Mann ("Heat") handelt, sieht man schon in den ersten Szenen, die große Lust auf mehr machen und Neugier wecken. Während man das erste Bild nicht begreifen kann ( man sieht mit Bergmans Augen, der allerdings einen Sack auf dem Kopf hat), dass abgelöst wird von einer wirren Abfolge an Szenen aus einer arabischen Stadt, vermutlich Beirut im Libanon, womit sofort eine Identifikation mit Bergman erreicht wird. Der Zuschauer ist zwar sehend, wird aber durch das Durcheinander ebenfalls ein wenig konfus, da er die Bilder nicht einordnen kann.
Die wechselvolle Kameraarbeit wird einen den ganzen Film über begleiten. Sei es bei extremen Nahaufnamen auf die Gesichter der Personen oder durch sehr eleganten Autofahrten, die durch schnelle Schnitte zerteilt und eingeleitet werden. Viele Stadtaufnahmen erinnern an "Heat", wenn man Brücken von unten sieht, unter denen konspirative Treffen stattfinden und die im Hintergrund auslaufen. Der Film ist allerdings nicht durchgestylt wie Manns späterer Film "Miami Vice", sondern durchkomponiert. Hier verschmilzt alles zu einer sinnvollen Einheit, die Bilder und der Ton unterstreichen Wigands drohende Paranoia, die sich aus seiner Verfolgungsangst entwickelt.
Und hier muss man Crowes Schauspiel ganz besonders loben: Diesen drohenden Realitätsverlust seiner Figur, die an dem Widerstand des Tabakkonzerns zu zerbrechen droht, unterstreicht er immer mit den passenden Gesten und Zuckungen seiner Mimik, was zu einer großen Glaubwürdigkeit führt. Der mögliche Verlust seiner Familie, die anfängliche Unsicherheit wegen seiner Entscheidung, an die Öffentlichkeit zu gehen, die Todesdrohungen.
Mit all diesem muss er umzugehen lernen und wie richtig seine Entscheidung war, merkt man bei einem leichten Lächeln, nach seiner Anhörung in dem Strafverfahren, während der seine Einsamkeit überdeutlich wird. Halt gibt außerdem sein neuer Beruf als Chemielehrer, im Wirklichen Leben wird Wigand später als "Lehrer des Jahres" ausgezeichnet.
Al Pacino als Fernsehjournalist agiert in einer Rolle, die ihm natürlich sehr gut steht, als Antriebskraft hinter der Entscheidung Wigands, und als Energiebündel.
Nachdem sich Wigand entschlossen hat, dass Fernsehinterview zu machen, fängt der zweite Teil des Films an. Es taucht das Problem auf, dass nach Veröffentlichung des Interviews eine mögliche Schadensersatzklage gegen CBS, dem Sender, erfolgt.
Bergmans Meinung dazu: "Unlautere Einmischung. Das können doch nur Juristen erfinden."
Dem kann man sich nur anschließen.
All dies führt zu der Frage wie frei die Presse heute noch ist und welche Interessen möglicher Geldgeber wahrgenommen werden müssen, denn, wieder Bergman: "Die Presse ist für den frei, dem sie gehört."
Diese Aussage kann am Ende teilweise wiederlegt werden, man erhält allerdings einen tiefen Einblick in die Arbeit eines Journalisten, wie er vorgehen muss, um an Informationen zu kommen, was ein weiterer interessanter Aspekt des Films ist.
Bei "Insider" stimmt eigentlich alles: Interessante Geschichte mit wahrem Hintergrund, tolle Schauspieler, die komplexe Charaktere darstellen sowie ein im Zusammenspiel stimmiger Ton, Schnitt und Kamera.
Ein besonderer Tipp für all die, denen Finchers "Zodiac" auch schon zusagte.
Der Biochemiker und leitende Angestellte Jeffrey Wigand (Russell Crowe) von seinem Arbeitgeber, einem Tabakkonzern, entlassen wird, weil er mit der Beimischung von Zusatzstoffen in die Zigaretten, die die Abhängigkeit stärken, nicht einverstanden ist. Er kommt mit dem Fernsehjournalisten Lowell Bergman (Al Pacino) zusammen, der ihn ermuntert, trotz einer Verschwiegenheitsklausel in Wigands Vertrag, an die Öffentlichkeit zu gehen. Der Widerstand des Tabakkonzerns und Bedenken innerhalb des Fernsehsenders gefährden allerdings dieses Vorhaben.
Dass diese Geschichte Stoff für eine Länge von mehr als 2,5 Stunden ergibt, ist bei einer bloßen Inhaltsbeschreibung kaum nachzuvollziehen. Jedoch: Der Film schafft es und er schafft es bestens.
Man kann diesen Film ein wenig mit dem im Mai 2007 startenden Film "Zodiac- Die Spur des Killers" vergleichen. Wie jener beruht "Insider" auf einer wahren Begebenheit, wie bei jenem wird der Fall in aller Breite aufgerollt und somit mehrere Personen sehr genau charakterisiert, somit ist auch die Dauer annäherend gleich. Bei beiden gibt es dramatisierende Erfindungen und bei beiden spielt die Presse eine wichtige Rolle.
Der große Unterschied besteht darin, dass bei "Zodiac" ein Unbekannter, ein Phantom, der Täter ist, der mit seinen Taten bewusst an die Öffentlichkeit geht, während es hier der große Bekannte, der Tabakkonzern ist, der die Wahrheit vertuschen will.
Dass es sich bei "Insider" um einen Film von Michael Mann ("Heat") handelt, sieht man schon in den ersten Szenen, die große Lust auf mehr machen und Neugier wecken. Während man das erste Bild nicht begreifen kann ( man sieht mit Bergmans Augen, der allerdings einen Sack auf dem Kopf hat), dass abgelöst wird von einer wirren Abfolge an Szenen aus einer arabischen Stadt, vermutlich Beirut im Libanon, womit sofort eine Identifikation mit Bergman erreicht wird. Der Zuschauer ist zwar sehend, wird aber durch das Durcheinander ebenfalls ein wenig konfus, da er die Bilder nicht einordnen kann.
Die wechselvolle Kameraarbeit wird einen den ganzen Film über begleiten. Sei es bei extremen Nahaufnamen auf die Gesichter der Personen oder durch sehr eleganten Autofahrten, die durch schnelle Schnitte zerteilt und eingeleitet werden. Viele Stadtaufnahmen erinnern an "Heat", wenn man Brücken von unten sieht, unter denen konspirative Treffen stattfinden und die im Hintergrund auslaufen. Der Film ist allerdings nicht durchgestylt wie Manns späterer Film "Miami Vice", sondern durchkomponiert. Hier verschmilzt alles zu einer sinnvollen Einheit, die Bilder und der Ton unterstreichen Wigands drohende Paranoia, die sich aus seiner Verfolgungsangst entwickelt.
Und hier muss man Crowes Schauspiel ganz besonders loben: Diesen drohenden Realitätsverlust seiner Figur, die an dem Widerstand des Tabakkonzerns zu zerbrechen droht, unterstreicht er immer mit den passenden Gesten und Zuckungen seiner Mimik, was zu einer großen Glaubwürdigkeit führt. Der mögliche Verlust seiner Familie, die anfängliche Unsicherheit wegen seiner Entscheidung, an die Öffentlichkeit zu gehen, die Todesdrohungen.
Mit all diesem muss er umzugehen lernen und wie richtig seine Entscheidung war, merkt man bei einem leichten Lächeln, nach seiner Anhörung in dem Strafverfahren, während der seine Einsamkeit überdeutlich wird. Halt gibt außerdem sein neuer Beruf als Chemielehrer, im Wirklichen Leben wird Wigand später als "Lehrer des Jahres" ausgezeichnet.
Al Pacino als Fernsehjournalist agiert in einer Rolle, die ihm natürlich sehr gut steht, als Antriebskraft hinter der Entscheidung Wigands, und als Energiebündel.
Nachdem sich Wigand entschlossen hat, dass Fernsehinterview zu machen, fängt der zweite Teil des Films an. Es taucht das Problem auf, dass nach Veröffentlichung des Interviews eine mögliche Schadensersatzklage gegen CBS, dem Sender, erfolgt.
Bergmans Meinung dazu: "Unlautere Einmischung. Das können doch nur Juristen erfinden."
Dem kann man sich nur anschließen.
All dies führt zu der Frage wie frei die Presse heute noch ist und welche Interessen möglicher Geldgeber wahrgenommen werden müssen, denn, wieder Bergman: "Die Presse ist für den frei, dem sie gehört."
Diese Aussage kann am Ende teilweise wiederlegt werden, man erhält allerdings einen tiefen Einblick in die Arbeit eines Journalisten, wie er vorgehen muss, um an Informationen zu kommen, was ein weiterer interessanter Aspekt des Films ist.
Bei "Insider" stimmt eigentlich alles: Interessante Geschichte mit wahrem Hintergrund, tolle Schauspieler, die komplexe Charaktere darstellen sowie ein im Zusammenspiel stimmiger Ton, Schnitt und Kamera.
Ein besonderer Tipp für all die, denen Finchers "Zodiac" auch schon zusagte.
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