Montag, 3. September 2007
Wild Bill
flonold, 00:02h
"Wild Bill"- ein Western und weiterer schöner Film von Walter Hill.
James Butler Hickok (Jeff Bridges), genannt "Wild Bill", gelangt nach einer wilden Zeit, die ihn zur Legende machte, in den Ort Deadwood. Hier trifft er, neben vielen alten Bekannten, auf den jungen Jack McCall (David Arquette), der ankündigt, ihn zu töten. Wild Bill, dem ein grüner Star diagnostiziert wurde und ein wenig müde geworden, ist nun gezwungen, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Warum will der Junge ihn töten? Will er durch ein gewonnenes Duell berühmt werden oder stecken andere Gründe dahinter?
In weiteren Rollen spielen Ellen Barkin als harte Revolverlady Calamity Jane, sowie Christina Applegate, John Hurt und Keith Carrradine.
Dass die Geschichte auf einem wahren Hintergrund beruht, dürfte zumindest Westernfans bekannt sein. Hier wird, ziemlich frei, sein Leben nacherzählt. Und das mit einer wahren Überflutung seiner bisheriegen Schießereien. Hier wird eifrig Mythenbildung betrieben, so dass der Zuschauer sich rasch ein Bild des Gunman machen kann. Dies funktioniert auch ausgesprochen gut, da sie alle sehr flott und leicht ironisch in Szene gesetzt werden. Diese Ironie wird auf die Spitze getrieben als Bill gegen einen Rollstuhlfahrer antreten muss, ein Opfer seiner früheren Duelle, der es jetzt noch einmal wissen will. Dies erinnert leicht an den Ritter, aus "Ritter der Kokosnuss", der sich selbst bei größeren Handicaps nicht geschlagen geben will. Der Wille ist ja auch das Entscheidende!
Allerdings lässt sich Bill auf einen Stuhl fesseln, um die Chancengleichheit was die Mobilität angeht, wieder auszugleichen. Jeff Bridges spielt hier seine Rolle sowohl mit dem nötigen Ernst als auch mit dem nötigen Augenzwinkern.
Als langhaariger "Dude" dürfte er jedem bekannt sein, hier hat er deutlich gepflegtere Haare. Ein aufs Äußere Wert legender Revolvermann, der besonderes Augenmerk auf seinen Hut besitzt und richtig böse wird, wenn ihn jemand anfasst.
Seine Freude am Schießen merkt man in jeder Szene, vor allem das Ziehen sieht extrem cool aus, man spürt hier förmlich das Gewicht der Waffe. Hickok spürt langsam die Last des Alters.
Der große "Wild Bill" wird natürlich überall von allen angekackt, als bester Schütze muss er sich immer wieder neu beweisen. Einer der Herausforderer ist dann auch schließlich der junge Irre, super gespielt von David Arquette, der die für diese Rolle passendste Frisur trägt. Bill ist beeindruckt von ihm, vor allem deswegen, weil dieser noch ein Ziel im Leben besitzt, während Bill sich mit Kartenspielen und Alkohol die Zeit vertreibt. Dazu ist er ein fleißiger Konsument der "Chinesenpfeife" in der Opiumhöhle und hängt hier seinen Träumen nach, in denen er sich vor allem mit der Herkunft des Jungen beschäftigt, die verbunden ist mit seiner eigenen Vergangenheit. Diese Träume sind die am schönsten gefilmten Szenen des Films. Nur in Schwarz-Weiß werden hier seine Träume illustriert, darin auftauchende Figuren lösen sich auf im diffusen Weiß.
Sehr schön ist auch die Hommage an den europäischen Western der 60er. Hill verweist hier auf die gelungensten: Die Taschenuhr und ihre Musik aus Leones "Für ein paar Dollar mehr", dort lässt sie Indio (Gian Maria Volontè) erklingen, wenn er bekifft ist und seinen Erinnerungen nachhängt, der Schlamm und Dreck aus Corbuccis "Django", die Schießerei im Saloon in der Schneelandschaft aus ebenfalls Corbuccis "Leichen pflastern seinen Weg". Was er leider nicht übernommen hat, ist das auffälige Umfallen der tödlich Getroffenen mit einer ausdrucksstarken Halbdrehung und nach oben geworfenen Händen. Bei ihm fallen sie auf klassisch-amerikanische Weise auf kürzestem Weg nach vorne unten, dafür in eine Schlammpfütze.
Vorbildlich ist dann am Ende des Films das Spiel des Regiseurs mit den Erwartungen des Zuschauers, dem er eine Karikatur eines Finales serviert: Während man sofort einen blutigen Showdown erwartet, lässt sich Hill hier enorm Zeit. Während Bill und seine Begleiter umstellt und waffenlos sind, darf sich erstmal jeder seiner Freunde von ihm verabschieden oder ihm noch einen guten Rat mitgeben. Und als Bill dann erschossen werden soll, bekommt er statt einer Kugel einen lahmen Bibelspruch zitiert. Die Jugend von heute...
Zum Glück nimmt Bill die Sache dann selbst in die Hand und so bekommt man dann doch noch ein schönes Finale, inklusive der "Dead Man`s Hand" beim Pokerspiel.
James Butler Hickok (Jeff Bridges), genannt "Wild Bill", gelangt nach einer wilden Zeit, die ihn zur Legende machte, in den Ort Deadwood. Hier trifft er, neben vielen alten Bekannten, auf den jungen Jack McCall (David Arquette), der ankündigt, ihn zu töten. Wild Bill, dem ein grüner Star diagnostiziert wurde und ein wenig müde geworden, ist nun gezwungen, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Warum will der Junge ihn töten? Will er durch ein gewonnenes Duell berühmt werden oder stecken andere Gründe dahinter?
In weiteren Rollen spielen Ellen Barkin als harte Revolverlady Calamity Jane, sowie Christina Applegate, John Hurt und Keith Carrradine.
Dass die Geschichte auf einem wahren Hintergrund beruht, dürfte zumindest Westernfans bekannt sein. Hier wird, ziemlich frei, sein Leben nacherzählt. Und das mit einer wahren Überflutung seiner bisheriegen Schießereien. Hier wird eifrig Mythenbildung betrieben, so dass der Zuschauer sich rasch ein Bild des Gunman machen kann. Dies funktioniert auch ausgesprochen gut, da sie alle sehr flott und leicht ironisch in Szene gesetzt werden. Diese Ironie wird auf die Spitze getrieben als Bill gegen einen Rollstuhlfahrer antreten muss, ein Opfer seiner früheren Duelle, der es jetzt noch einmal wissen will. Dies erinnert leicht an den Ritter, aus "Ritter der Kokosnuss", der sich selbst bei größeren Handicaps nicht geschlagen geben will. Der Wille ist ja auch das Entscheidende!
Allerdings lässt sich Bill auf einen Stuhl fesseln, um die Chancengleichheit was die Mobilität angeht, wieder auszugleichen. Jeff Bridges spielt hier seine Rolle sowohl mit dem nötigen Ernst als auch mit dem nötigen Augenzwinkern.
Als langhaariger "Dude" dürfte er jedem bekannt sein, hier hat er deutlich gepflegtere Haare. Ein aufs Äußere Wert legender Revolvermann, der besonderes Augenmerk auf seinen Hut besitzt und richtig böse wird, wenn ihn jemand anfasst.
Seine Freude am Schießen merkt man in jeder Szene, vor allem das Ziehen sieht extrem cool aus, man spürt hier förmlich das Gewicht der Waffe. Hickok spürt langsam die Last des Alters.
Der große "Wild Bill" wird natürlich überall von allen angekackt, als bester Schütze muss er sich immer wieder neu beweisen. Einer der Herausforderer ist dann auch schließlich der junge Irre, super gespielt von David Arquette, der die für diese Rolle passendste Frisur trägt. Bill ist beeindruckt von ihm, vor allem deswegen, weil dieser noch ein Ziel im Leben besitzt, während Bill sich mit Kartenspielen und Alkohol die Zeit vertreibt. Dazu ist er ein fleißiger Konsument der "Chinesenpfeife" in der Opiumhöhle und hängt hier seinen Träumen nach, in denen er sich vor allem mit der Herkunft des Jungen beschäftigt, die verbunden ist mit seiner eigenen Vergangenheit. Diese Träume sind die am schönsten gefilmten Szenen des Films. Nur in Schwarz-Weiß werden hier seine Träume illustriert, darin auftauchende Figuren lösen sich auf im diffusen Weiß.
Sehr schön ist auch die Hommage an den europäischen Western der 60er. Hill verweist hier auf die gelungensten: Die Taschenuhr und ihre Musik aus Leones "Für ein paar Dollar mehr", dort lässt sie Indio (Gian Maria Volontè) erklingen, wenn er bekifft ist und seinen Erinnerungen nachhängt, der Schlamm und Dreck aus Corbuccis "Django", die Schießerei im Saloon in der Schneelandschaft aus ebenfalls Corbuccis "Leichen pflastern seinen Weg". Was er leider nicht übernommen hat, ist das auffälige Umfallen der tödlich Getroffenen mit einer ausdrucksstarken Halbdrehung und nach oben geworfenen Händen. Bei ihm fallen sie auf klassisch-amerikanische Weise auf kürzestem Weg nach vorne unten, dafür in eine Schlammpfütze.
Vorbildlich ist dann am Ende des Films das Spiel des Regiseurs mit den Erwartungen des Zuschauers, dem er eine Karikatur eines Finales serviert: Während man sofort einen blutigen Showdown erwartet, lässt sich Hill hier enorm Zeit. Während Bill und seine Begleiter umstellt und waffenlos sind, darf sich erstmal jeder seiner Freunde von ihm verabschieden oder ihm noch einen guten Rat mitgeben. Und als Bill dann erschossen werden soll, bekommt er statt einer Kugel einen lahmen Bibelspruch zitiert. Die Jugend von heute...
Zum Glück nimmt Bill die Sache dann selbst in die Hand und so bekommt man dann doch noch ein schönes Finale, inklusive der "Dead Man`s Hand" beim Pokerspiel.
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