Montag, 3. September 2007
Filmtipp
heute, 11.9., um 00:15 auf Tele 5: "Friedhof ohne Kreuze", F/I 1968 von Robert Hossein, mit Michele Mercier, Robert Hossein und Lee Burton.

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Wallstreet
Wall Street, welche andere amerikanische Straße hat einen vergleichbar hohen Bekanntheitsgrad, eine Bezeichnung, hinter der eine gesamte, eine eigene Welt steckt.
In diesem Film versucht nun der einfache Börsenmakler Bud Fox (Charlie Sheen), einer unter wievielen?, sich seinen amerikanischen Traum zu erfüllen, den vom sozialen Aufstieg, und die Mauer zu erklimmen.
Bud Fox ist gesegnet mit vielen Talenten: Er ist von attraktiven Äußeren, schlagfertig, durchsetzungsstark und fest entschlossen, alles Eigenschaften, die Gordon Gekko (Michael Douglas) zu gefallen scheinen, außerdem die Tatsache, dass Fox über Insiderwissen verfügt. Gekko ist der Super-Broker, an jedem größeren Geschäft scheint er beteiligt zu sein. Auf ihn richten sich Fox Hoffnungen, nur durch ihn scheint der Aufstieg möglich. Und tatsächlich, Fox bekommt eine Chance.

Die Story wird geradlinig erzählt, die 120 Filmminuten verstreichen unbemerkt, während man gebannt im Sessel sitzt, bedingt vor allem durch die schauspielerische Topleistung, durch die auch Nebenrollen glänzen können, und mit der man immer an der Handlung teilhaben kann.
Kann man sich einen besseren Bud Fox als gespielt von Charlie Sheen vorstellen?
Schwerlich, er macht dass mit einer Geradlinigkeit, parallel zur Story und mit einer jugendlich scheinenden Unbekümmertheit, mit der man sich einen solchen Typen vorstellt, und die perfekt zur Rolle passt.
Und was soll man zu Michael Douglas sagen? Er bekam eine Rolle die für ihn geschrieben scheint und spielt den aggressiven, aufbrausenden Gekko so charmant wie seine zurückgegelten Haare ihn erscheinen lassen.

Oliver Stone gelang hier ein großartiger Film, die Schauspieler sind perfekt gecastet und außerdem wird der amerikanische Traum kritisch beleuchtet, wenn nicht sogar zerpflückt.
Die Aussage ist doch: Wenn du es schaffen willst, ist das nur durch illegale Aktionen zu erreichen, hier die Weitergabe von Insiderwissen. Ist man dazu nicht bereit, reicht es gerade für die Rolle des fleißigen, langweiligen Angestellten, siehe im Film Lou Mannheim (Hal Holbrook).

Wie klug die Geschichte gefilmt wurde, sieht man schon an 2 Szenen:
Die eine ist Fox Anruf im Vorraum zu Gekkos Büro, die Tür ist noch ein wenig geöffnet, und während Fox eine negative Antwort bekommt, kann der Zuschauer doch einen ersten Blick auf Gordon Gekko erhaschen. Die Türen haben im Film fast eine magische Funktion, man muss das Zauberwort kennen damit sie sich öffnen.
Die andere und fast die Schönste ist die Szene am Ende, das finale Aufeinandertreffen im Park, einer natürlich scheinenden Umgebung, von Fuchs und Gecko, der sich hier zum letzten Mal in einen Löwen, diesmal ohne jede zivilisatorische Zurückhaltung, verwandelt.

Ein Film, der gefällt.

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Point Blank
In diesem Film geht es um Rache, verratene Freundschaft, Untreue und Enttäuschung, doch vor allem geht es um eins: ums Prinzip.
Genau das scheint für Walker (Lee Marvin) verletzt worden zu sein, da er für gerade einmal 93000 Dollar den Kampf gegen ein millionenschweres Kartell beginnt. Um genau diese Summe wurde er von seinem vermeintlichen Freund Mal Reese (John Vernon) bei einem Raubüberfall betrogen, der ihn bei dieser Gelegenheit gleich noch töten wollte und ihm dazu noch seine Frau Lynne (Sharon Acker) ausspannte.

Nachdem er in das Haus seiner Frau stürmt und wie wild auf das Bett ballert, im Glauben, Reese würde darin liegen, wandeln sich seine Motive (für mich der ästhetischste Moment des Films, als er in seiner Erinnerung in verlangsamter Darstellung den Schuss noch einmal abgibt.):
Walker scheint schon so desillusioniert zu sein, dass ihm der Sinn nicht mehr nach Rache steht, sondern es ihm einzig um das Geld geht, das ihm immer noch zusteht, oder eben ums Prinzip, da die Summe nicht so übermäßig hoch ist.
Oder passiert hier etwas anderes? Treten hier nun seine persönlichen Motive zurück, tritt sein gesamtes Menschsein in den Hintergrund und er stellt nun etwas anderes dar?
Eine Art Nemesis, der man nichts mehr anhaben kann, die unverwundbar ihren gerechten Zorn auf die Personen loslässt, die sich unmoralisch verhalten haben und das immer noch tun?

Die Bestrafung beginnt mit Walkers Frau, die sich nach der Begegnung mit ihm, sich das Leben mit Schlaftabletten nimmt, nachdem sie Walker ihre Untaten gebeichtet hat.

Der Walker geht weiter, das Geräusch seiner Schritte hat man stets im Hinterkopf, so dröhnend und auch leicht unnatürlich, künstlich, losgelöst vom Körper, erscheinen sie zu Beginn, diesmal zu Mel Reese, dessen Tod eher duch einen Unfall verursacht wird, als ob sich Walker nicht selbst die Hände schmutzig machen muss, die Bestrafung für die Personen unaufhaltsam ist, und Walker nur derjenige, der die Bestrafung lostritt, aber nicht durchführt.
Das setzt sich fort mit der Tötung von Frederick Carter (Lloyd Bochner), der durch den Killer getötet wird, den er selbst angeheuert hat.
Derselbe Killer tötet später auch Brewster (Carroll O`Connor), der Walker vermeintlich zu seinem Geld verhelfen will.
Dies alles erinnert doch sehr stark an Geschichten aus der griechischen Mythologie, allerdings verlagert in die Grosstadtszenerie der 60er.
Unterstützt wird diese Annahme noch durch die Rolle des Yost (Keenan Wynn), der überall auftaucht, Walker von einem Ort zum nächsten schickt und ihn seine Absichten erledigen lässt, also eine Art Gott, zumindest aber der, der die Fäden im Hintergund zieht und vor dem sich dann selbst Walker am Ende dezent in den Schatten zurückzieht.

Was dazu auffallend ist, ist der exzessive Gebrauch von Rückblenden, in denen Walker sich erinnert an seine versuchte Ermordung und an verschiedene Etappen seines Weges, Bilder die ihn den ganzen Film über nicht loslassen werden.

Außerdem positiv ist die relative Kürze des Films (88 Minuten): Die Story wird ohne Abweichungen flüssig erzählt, schön und sinnvoll finden die Ortswechsel statt.

Noch ein Wort zu den Hauptdarstellern: Lee Marvin spielt seine Rolle herausragend und bildet mit seinem kantigen Gesicht einen schönen Gegensatz zu den sanften Zügen einer Angie Dickinson, die seine Freundin Chris spielt, welche ebenso überzeugt, vor allem in den Szenen in denen sie kleine Anfälle bekommt, wenn sie auf ihn einschlägt, erfolglos, und ihm später dann das Queue an den Kopf haut, das schon erfolgreicher:
Sie bekommt ihn ins Bett. Diese Absicht hat Walker, klug wie er ist, schon zuvor durchschaut, im coolsten Dialog des Films: "Das wird keine Bettgeschichte"in Brewsters Haus, womit er allerdings falsch liegt.

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Adaption
Wie soll man einen Film bewerten, dessen Aussage einem zum Nachdenken anregt, dessen Darstellungsweise allerdings nicht gefällt?

Der Film erzählt zunächst die Geschichte von dem Drehbuchautor Charlie Kaufman (Nicolas Cage), der ein neues Drehbuch schreiben soll, sich damit aber enorm schwertut, da er die Geschichte der Autorin Susan Orlean (Meryl Streep) adaptieren soll. Hierran verzweifelt er allerdings, da ihn die Vorlage förmlich lähmt, so gefangen ist er von dem Buch.
Er schafft es also erst nicht, ein dem Buch adäquates Drehbuch zu entlocken.
Allerdings: Der Zuschauer sieht das Buch der Autorin als Film vor sich.
Hier scheint ein Widerspruch zu bestehen, da Charlie Kaufman es im Film nicht fertigbringt, ein gutes Drehbuch zu schreiben, weswegen der Zuschauer einen Film sieht, der auf einem schlechten Entwurf beruht Dies wird nicht einmal verschwiegen, sondern in aller Breite wird Charlies Scheitern vorgeführt.
So langsam kommt die Geschichte nun in Gang, man kann sich einer gewissen Faszination dafür nicht entledigen, es gibt schöne, melancholische Bilder von Charlies Leben zu sehen, die Darsteller zeigen eine enorme Spielfreude, sodass man sich darin, zumindest für eine gewisse Zeit, verlieren kann.
Es wird nun Charlies harter Weg zu einem Drehbuch gezeigt, dazu die Entwicklung von Charlies Bruder Donald (Nicolas Cage), der sich mausert vom erfolglosen nervigen Bruder zum erfolgreichen Drehbuchautor, da er den Kurs eines Schreiblehrers besucht, wofür Charlie erst nur Verachtung übrig hat, was sich allerdings ändert, als Donald mit seinem Drehbuch Erfolg hat.
Nun hört auch Charlie auf den Rat des Schreibgurus, welcher ist, dass die Leute Action sehen wollen und unterhalten werden wollen, was ja eine unglaubliche Einsicht ist, von der sich Charlie erst mühsam erholen kann.
Daraufhin lässt nun Charlie Kaufman, der echte, also der Drehbuchschreiber von Adaption, Charlie Kaufman (Nicolas Cage) allerhand erleben.
Es folgt nun am Ende die Unterhaltung in Gestalt einer wilden Verfolgungsjagd, die der gemeine Zuschauer ja sehen möchte. Donald wird noch effektvoll durch die Windschutzscheibe geschleudert und irgendwie endet der Film dann auch.
Das heißt also, Charlie Kaufman, der Unterhaltung zutiefst zu verachten scheint, lässt sich dann am Ende doch dazu herab, diese dem Zuschauer zu bieten.
Allerdings merkt man, dass er dabei keine Freude hatte und dass sieht man dann auch, da dies alles völlig gekünstelt wirkt und den Zuschauer kalt lässt.
Was aber wohl auch beabsichtigt ist, dem Zuschauer soll die eigene Niveaulosigkeit vor Augen geführt werden, dass man nämlich dies in Filmen lieber sieht, als dass Leben eines Drehbuchautors mit großer Ideenlosigkeit, noch größeren Selbstzweifeln, der größten Wampe und wenig Haar.

Über diese Aussage des Films kann man nun einige Zeit nachdenken, bevor man sich eingesteht: Ja ich will Unterhaltung, sie muss nicht leicht und niveaulos sein, unterhalten will ich aber werden, aber natürlich nicht dergestalt, dass mir vorgeführt wird, mit welchem Widerwillen Kaufman sich dazu bewegen lässt, und sie schließlich dem Zuschaer zugesteht.
Dann ist es allerdings zu spät.

Die Darsteller retten den Film, soweit ihnen das möglich ist, schöne Bilder gibt es auch zu sehen, z. B. der Ablauf der Geschichte der Entstehung der Welt.
Das ist allerdings zu wenig.

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Haie der Großstadt
"Haie der Großstadt" handelt vom Gewinnen und vom Verlieren, und davon, dass beides oft zusammenhängt; konkret davon, dass man erst durch einen großen Verlust fähig und reif für den Erfolg oder Gewinn ist. Ob dieser Gewinn den Verlust wert war, muss man allerdings bezweifeln.

Der Film beginnt mit einem Poolspiel zwischen den zwei Staubsaugervertretern Eddie Felson (Paul Newman) und Charlie Burns (Myron McCormick).
Sie scheinen zuerst die typischen Vertreter derjenigen zu sein, die das Spiel der Kneipen nur zum Zeitverteib spielen, doch man wird schnell eines Besseren belehrt. Man merkt relativ schnell, dass es die Masche der zwei ist, durch Amerika zu fahren, und beim Pool den Leuten das Geld aus den Taschen zu ziehen.
Bei Eddie Felson handelt es sich nämlich um den Profi Fast Eddie, der sich selbst für den besten Spieler des Landes hält.
Und Paul Newman spielt diesen Eddie mit größter Glaubwürdigkeit, lässig und mit dem coolsten Grinsen,und mit der explosivsten Unbeherrschtheit, wenn er sich bedrängt fühlt oder auch wenn er am Gewinnen ist.
Das selbstsichere Grinsen verkommt dann auch bald zur Fassade.

Nach den Eingangstiteln betreten Fast Eddie und sein Partner eine große Billardhalle, in der das erste große Spiel stattfinden wird. Es kommt spielerisch sofort zum ersten Höhepunkt, nämlich zum Spiel gegen Minnesota Fats (Jackie Gleason).

Beim Betreten der Halle vergleicht Eddie die Athmosphäre mit einer Kirche , einem Ort der zum einen Hoffnung verspricht, zum andern wird eine gottesdienstähnliche Handlung stattfinden, dem Spiel wird gehuldigt werden, wenn die zwei besten Spieler aufeinandertreffen. Sein Partner vergleicht die Athmosphäre allerdings mit einem Mausoleum, indem sich Eddie, wenn er verlieren sollte, gleich beerdigen lassen könne.

Hier sieht man nun auch Eddies Charakter: er ist anfangs der selbstbewusste Spielertyp, der gerne ein Risiko eingeht und es geht ihm darum, den Gegner total zu vernichten. Dies wird man später sehen, während sein Partner eher der zurückhaltende, vorsichtige, ältere Typ ist, der für das Zusammenhalten des Geldes zuständig ist.

"Nicht aufhören, er ist ein Verlierer." (Bert Gordon)

Während dem Spiel gegen Fats kommt nun ein Mann aus dem Hinterzimmer, nämlich Bert Gordon (Hervorragend: George C. Scott).Und obwohl Eddie 18000 Dollar gegen Fats gewinnt, rät er Fats, weiterzuspielen. Und das tut er dann auch, bis Eddie im Minus steht.
Während dem Spiel erkennt man nun wieder einige Charakterzüge Eddies: Unbeherrschtheit, den Drang, den Gegner zu demütigen, nicht aufhören zu können, Ungeduld und Überheblichkeit.
Fats kommt vor dem entscheidenen Duell frisch parfümiert und gewaschen an den Tisch zurück, während Eddie vor Schmutz starrt:

"Eddie wir hören auf" sagt Charlie vergeblich.

Eddie wird nun von dem Gedanken an eine Revanche getrieben. Während er versucht, an Geld zu kommen, sucht er Trost und Ablenkung bei Sarah Packard (Piper Laurie), welche vermutlich eine Prostituierte ist oder war. Fast Eddie geht jedoch zu schnell ran und er scheitert erst.
Allerdings kommt es zum erneuten Aufeinandertreffen und man merkt, dass die beiden doch einiges verbindet, nachdem es zuerst nur der Alkohol war.

Tag und Nacht scheinen keine Rolle zu spielen, z.b. als der Spielhallenbedienstete den Rollladen hochfahren will, blendet Fats das Tageslicht und auch in der Beziehung zwischen Sarah und Eddie wird der Fensterladen schnell wieder geschlossen, die Welt ausgeschlossen.

Man sieht so gut wie nie eine Straße oder eine weitläufige Landschaftsaufnahme. Alles spielt sich in kleinen Räumen ab, in künstlichem Licht, die Umgebung ist dazu da, das Spiel zu ermöglichen. So verhält es sich auch mit der Pferderennbahn, zwar ein Stück grüne Landschaft, allerdings nur zu dem Zweck, ein Rennen zu veranstalten. Es ist bezeichnend, dass Eddie draußen nicht zu sehen ist, nur vor den Wettschaltern.
Bei Außenaufnahmen ist auch sonst sofort wieder ein Reklameschild für eine Poolhalle zu sehen.

In der Natur kommt es dann auch zur großen Aussprache , zum ersten wirklichen Gespräch zwischen Eddie und Sarah, einem Ort der Ruhe, Entspanntheit, Gelassenheit.
An diesen Ort der Geborgenheit wird man später noch zurückdenken und ihn schmerzlich vermissen.

Den Hauptkonflikt tragen Eddie und Bert aus:
Deren unterschiedliche Charaktere kann man an den unterschiedlichen Spielen festmachen.
Gordon gewinnt beim Pokern durch Täuschung und durch Betrug, und Glück, während Eddie Pool spielt, ein ehrliches Spiel, bei dem alles offen auf dem Tisch liegt.
Wobei man dazu sagen muss, dass Eddie anfangs bei diesem Spiel auch betrogen hat, wenn er den Alkoholiker vorspielt und seine wahre Klasse verbirgt. Auch in diesem Punkt macht er eine Wandlung durch.

Am Ende kommt es dann zum Rückspiel zwischen Eddie und Fats und zur Abrechnung zwischen Eddie und Bert.
Doch egal wie es ausgeht, Eddie hat schon den größten Verlust seines Lebens erfahren.
Wie kann er so noch verlieren?

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"Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber
"Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber" ist ein Film, der den Zuschauer anzieht und anwidert, fesselt und abstößt.

Der Dieb, Albert Spica (Michael Gambon), ist als Schutzgelderpresser tätig, genaueres erfährt man nicht, und liebt es, in seinem Restaurant zu speisen. Dieses leitet er zusammen mit dem Koch Richard Borst (Richard Bohringer). Die Frau Spicas ist Georgina Spica (Helen Mirren), die im Restaurant eine Affäre mit dem Gast Michael (Alan Howard) beginnt. Die beiden versuchen nun, ihre Affäre geheimzuhalten, um nicht den Zorn des Ehemanns zu wecken, der sich auch ohne diese Neuigkeit kaum beherrschen kann.

Der Film ist allerdings das komplette Gegenteil dieser nüchternen Beschreibung: Er ist laut, farbig, opulent, ausschweifend und dekadent.
Des Diebes Organ übertönt alles! Er ist der unüberhörbare Mittelpunkt und Minuspol des Films. Er ist all das, was Georgina abstößt. Mit einem Wort: Vulgär. Aufgrund seines Geldes kann er sich einen teuren Lebensstil leisten, allerdings kann er das gute Essen nur schwer würdigen, was schon durch seine falsche Aussprache der Speisen klar wird. Ihm kommt es einzig auf den Konsum an, er ist vernarrt ins Essen, ins In-sich-hineinstopfen. (Das Stopfen hat es ihm auch sonst sehr angetan.)
Die Hauptsache ist, dass sein Magen gefüllt ist und er viel Geld dafür ausgeben kann. Über Borsts Kochkunst macht er sich eher lustig, weiß sie nicht zu würdigen.

Georgina findet ihn ekelerregend, kann aus ihrem goldenen Käfig allerdings nicht ausbrechen, wie später klar werden wird. Die einzige Möglichkeit, ein wenig Freiheit auszuleben, besteht in der Affäre zu Michael, dem Bibliothekar.
Er ist ein regelmäßiger Gast des Restaurants, er bestellt oft das Gleiche wie Georgina und ist ein Mann der Kunst und Kultur. Die Affäre beginnt, ohne dass ein Wort gesprochen wird. Georgina sehnt sich nach dieser Ruhe, sonst gewohnt, den Wortausbrüchen ihres Mannes zuhören zu müssen. Nur mit Blicken wird sich verständigt, alles scheint klar und natürlich abzulaufen. Auch wenn sie sich hier ausleben kann, die Liebschaft muss mit kleinsten Räumen auskommen, immer in Nähe des Gatten, immer in Gefahr entdeckt zu werden. Greenaway schafft es, mit einer Ausnahme, den Film vor und in einem einzigen Gebäude spielen zu lassen, was eine unglaubliche Verdichtung der Handlung schafft. Wenn sich die Frau und ihr Liebhaber in der Vorratskammer lieben, kann man Albert im Speisezimmer fast schnaufen hören. Diese Nähe macht ein Entdecktwerden unvermeidlich und notwendig.

Alle Räume sind klar getrennt: die grüne Küche, das rote Speisezimmer, die weiße Toilette. Georgina wird wohl von ihrem Mann gezwungen sich farblich an das Speisezimmer anzupassen, d.h. sie trägt meist rot und schwarz, wie ihr Gatte. Wenn sie allerdings die Küche betritt, wechselt auch die Frabe ihres Kleides( Kostüme: Jean-Paul Gaultier), was die größere Freiheit ihres Wesens ankündigt. Die größte Befreiung, die vollkommene Nacktheit, die sie nach einer Art Widergeburt (sie war so tot, wie die Tiere im Lieferwagen des Restaurants) und Waschung erlebt und der sie sich mit Michael immer weiter annähert, wird allerdings schnell gestört. Ihr Glück wird zerstört, ihre Emanzipation wird vollendet.
Es ist auch kein Zufall, dass eine Seite aus einem Buch über die französische Revolution eine Rolle spielt. Eine Revolution findet auch hier statt, jedoch wird hier der Tyrann gezwungen ein Kind der Revolution zu fressen.

Auffällig ist, mit welch ruhiger Kameraführung das Durcheinander gefilmt wird. Entweder in langen Seitwärtsfahrten, die sehr schön begleitet werden mit Michael Nymans barocker Musik, oder in ruhiger Mittelansicht wird das Geschehen aufgenommen, allerdings zeigt dies auch die Unerbittlichkeit des Regisseurs, der dem Zuschauer dabei nichts erspart.

"Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber" ist schwer in Worten zu fassen. Seine visuelle Ausrichtung ist sehr ausgeprägt und komplex und so lautet die einfache Empfehlung: Anschauen!

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Wild Things
Der smarte Sam Lombardo (Matt Dillon) ist Highschool-Lehrer in der schicken amerikanischen Küstenstadt Blue Bay, bis er erst von seiner Schülerin Kelly van Ryan (Denise Richards), kurze Zeit später von Suzie Toller (Neve Campell), der Vergewaltigung bezichtigt wird. Bis zur Klärung des Falles wird Lombardo vom Schuldienst enthoben. Der Polizist Ray Duquette (Kevin Bacon) wird mit seiner Partnerin Gloria Perez ( Daphne Rubin-Vega) auf den Fall angesetzt, und schnell merkt man: Hier stinkt etwas ganz gewaltig.

"Ich hasse es, überrascht zu werden." (Sam Lombardo)

Dieser Satz gegen Ende des Films ist eigentlich eine Frechheit, denn die Überraschung ist gerade das Hauptmerkmal des Films. Ständig überfällt sie den arglosen Zuschauer und nimmt dabei keine Rücksicht auf mögliche Gefühle der Sympathie, die für die Personen aufkommen.
Denn der Schein wird in diesem gefälligen Erotikthriller großgeschrieben, der des öfteren der bösen Realität weichen muss. Zu gerne würde man anfangs auf die Highschool gehen, mit ihren fürsorglichen Lehrern segeln und auf den einladenden Sportanlagen , auf denen sich Tennisspieler die Bälle zuspielen und Cheerleader, die Verkörperung der cleanen amerikanischen Sexualität, ihre Beinchen strecken, sich betätigen.
Jedoch: All dies bricht schon beim bloßen Verdacht des Missbrauchs in sich zusammen und man kann sich sicher sein: So beherrschen wie der Hinterwäldler seine Krokodile, die öfters drohend aus den Sümpfen auftauchen, können die Menschen einander nicht.
Die überraschenden Wendungen sind raffiniert gemacht, allerdings werden sie gegen Ende ein wenig zu viel, so dass man sich beim eigentlichen Finale schon denken kann, welche Überraschung noch ansteht, da sich das Schema nicht ändert. Hier wäre ein bisschen weniger wirkungsvoller gewesen. Da sich aber alles wieder schön auflöst, ohne größere theoretische Fehler, wird man doch gut unterhalten.
Sehr clever gemacht ist die Einführung des lustigen Anwalts Kenneth Bowden (Bill Murray), der mit seinen Sprüchen dem Film den nötigen Witz gibt und den Zuschauer ablenkt vom Nachdenken über das bereits Gesehene. So ist die erste Wendung des Films umso effektvoller. Wenn Bill Murray besonders zu loben ist, sind das die anderen Schauspieler ebenso:
Matt Dillon, der egal welche, jede Tat immer mit dem gleichen Gesichtsausdruck begeht, was ihn sehr unberechenbar macht. Sein Spiel passt gut zum Charakter des Sam Lombardo, ebenso bei Denise Richards. Welcher Gedanke bei ihrem nassen Anblick den männlichen Zuschauer befällt, ist klar. Neve Campell hat die wütendste Rolle, welche ihr auch sehr gut steht, während Kevin Bacon zurückhaltend beginnt und für einen Polizisten fast zu korrekt gekleidet ist, mit seiner Hose hochgezogen bis unter die Achselhöhlen.
Wie man sieht, eine Reihe bekannterer Schauspieler treten auf, was dem Film gut bekommt.

Bei "Wild Things" steht mehr das raffinierte Drehbuch, als eine komplexe Charakterzeichnung im Vordergrund. Wenn man bereit ist, sich so überraschen zu lassen, dass das kurz zuvor Gesehene ad absurdum geführt wird, wird man bestens unterhalten. Mehr bekommt man hier nicht zu sehen und so wird der Film wohl bald in den hinteren Gehirnregionen verblassen.

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Insider
"Insider" wurde siebenmal für den Oscar nominiert. Diese Nominierungen erfolgten zu Recht. "Insider" ist ein eindrucksvoller Film, der zudem auf einer wahren Begebenheit basiert:
Der Biochemiker und leitende Angestellte Jeffrey Wigand (Russell Crowe) von seinem Arbeitgeber, einem Tabakkonzern, entlassen wird, weil er mit der Beimischung von Zusatzstoffen in die Zigaretten, die die Abhängigkeit stärken, nicht einverstanden ist. Er kommt mit dem Fernsehjournalisten Lowell Bergman (Al Pacino) zusammen, der ihn ermuntert, trotz einer Verschwiegenheitsklausel in Wigands Vertrag, an die Öffentlichkeit zu gehen. Der Widerstand des Tabakkonzerns und Bedenken innerhalb des Fernsehsenders gefährden allerdings dieses Vorhaben.

Dass diese Geschichte Stoff für eine Länge von mehr als 2,5 Stunden ergibt, ist bei einer bloßen Inhaltsbeschreibung kaum nachzuvollziehen. Jedoch: Der Film schafft es und er schafft es bestens.
Man kann diesen Film ein wenig mit dem im Mai 2007 startenden Film "Zodiac- Die Spur des Killers" vergleichen. Wie jener beruht "Insider" auf einer wahren Begebenheit, wie bei jenem wird der Fall in aller Breite aufgerollt und somit mehrere Personen sehr genau charakterisiert, somit ist auch die Dauer annäherend gleich. Bei beiden gibt es dramatisierende Erfindungen und bei beiden spielt die Presse eine wichtige Rolle.
Der große Unterschied besteht darin, dass bei "Zodiac" ein Unbekannter, ein Phantom, der Täter ist, der mit seinen Taten bewusst an die Öffentlichkeit geht, während es hier der große Bekannte, der Tabakkonzern ist, der die Wahrheit vertuschen will.

Dass es sich bei "Insider" um einen Film von Michael Mann ("Heat") handelt, sieht man schon in den ersten Szenen, die große Lust auf mehr machen und Neugier wecken. Während man das erste Bild nicht begreifen kann ( man sieht mit Bergmans Augen, der allerdings einen Sack auf dem Kopf hat), dass abgelöst wird von einer wirren Abfolge an Szenen aus einer arabischen Stadt, vermutlich Beirut im Libanon, womit sofort eine Identifikation mit Bergman erreicht wird. Der Zuschauer ist zwar sehend, wird aber durch das Durcheinander ebenfalls ein wenig konfus, da er die Bilder nicht einordnen kann.
Die wechselvolle Kameraarbeit wird einen den ganzen Film über begleiten. Sei es bei extremen Nahaufnamen auf die Gesichter der Personen oder durch sehr eleganten Autofahrten, die durch schnelle Schnitte zerteilt und eingeleitet werden. Viele Stadtaufnahmen erinnern an "Heat", wenn man Brücken von unten sieht, unter denen konspirative Treffen stattfinden und die im Hintergrund auslaufen. Der Film ist allerdings nicht durchgestylt wie Manns späterer Film "Miami Vice", sondern durchkomponiert. Hier verschmilzt alles zu einer sinnvollen Einheit, die Bilder und der Ton unterstreichen Wigands drohende Paranoia, die sich aus seiner Verfolgungsangst entwickelt.
Und hier muss man Crowes Schauspiel ganz besonders loben: Diesen drohenden Realitätsverlust seiner Figur, die an dem Widerstand des Tabakkonzerns zu zerbrechen droht, unterstreicht er immer mit den passenden Gesten und Zuckungen seiner Mimik, was zu einer großen Glaubwürdigkeit führt. Der mögliche Verlust seiner Familie, die anfängliche Unsicherheit wegen seiner Entscheidung, an die Öffentlichkeit zu gehen, die Todesdrohungen.
Mit all diesem muss er umzugehen lernen und wie richtig seine Entscheidung war, merkt man bei einem leichten Lächeln, nach seiner Anhörung in dem Strafverfahren, während der seine Einsamkeit überdeutlich wird. Halt gibt außerdem sein neuer Beruf als Chemielehrer, im Wirklichen Leben wird Wigand später als "Lehrer des Jahres" ausgezeichnet.
Al Pacino als Fernsehjournalist agiert in einer Rolle, die ihm natürlich sehr gut steht, als Antriebskraft hinter der Entscheidung Wigands, und als Energiebündel.
Nachdem sich Wigand entschlossen hat, dass Fernsehinterview zu machen, fängt der zweite Teil des Films an. Es taucht das Problem auf, dass nach Veröffentlichung des Interviews eine mögliche Schadensersatzklage gegen CBS, dem Sender, erfolgt.
Bergmans Meinung dazu: "Unlautere Einmischung. Das können doch nur Juristen erfinden."
Dem kann man sich nur anschließen.
All dies führt zu der Frage wie frei die Presse heute noch ist und welche Interessen möglicher Geldgeber wahrgenommen werden müssen, denn, wieder Bergman: "Die Presse ist für den frei, dem sie gehört."
Diese Aussage kann am Ende teilweise wiederlegt werden, man erhält allerdings einen tiefen Einblick in die Arbeit eines Journalisten, wie er vorgehen muss, um an Informationen zu kommen, was ein weiterer interessanter Aspekt des Films ist.

Bei "Insider" stimmt eigentlich alles: Interessante Geschichte mit wahrem Hintergrund, tolle Schauspieler, die komplexe Charaktere darstellen sowie ein im Zusammenspiel stimmiger Ton, Schnitt und Kamera.
Ein besonderer Tipp für all die, denen Finchers "Zodiac" auch schon zusagte.

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Traffic- Die Macht des Kartells
"Traffic- Macht des Kartells" thematisiert die amerikanisch-mexikanische Drogenproblematik in vielfältiger Weise. Man erfährt sowohl die Reaktion von höchster amerikanischer Seite, im Mittelpunkt steht hier der Stabschef der Nationalen Drogenbekämpfung, Robert Wakefield (Michael Douglas), der versucht, das Problem des Schmuggels in großem Stil zu unterbinden und deswegen ein Drogenkartell auf mexikanischer Seite zerschlagen will, sowie ein Problem mit seiner intelligenten Tochter (Erika Christensen), als auch die alltägliche Arbeit der Drogenfahnder Montel Gordon (Don Cheadle) und Ray Castro (Luiz Guzmán).
Außerdem wird das Leben der Frau des Drogenbarons Ayala (Steven Bauer), Helena Ayala (Catherine Zeta-Jones), beschrieben, die nach der Festnahme ihres Mannes mit dem Zusammenbruch ihres Lebens umgehen muss und eine erstaunliche Wandlung durchmacht.
Eine weitere Nebengeschichte ist das Leben des mexikanischen Staatspolizisten Javier Rodriguez (Benicio del Toro), der anfangs einen einsamen Kampf gegen die Kartelle führt, welcher aussichtslos scheint.

Zur Unterscheidung dieser einzelnen Geschichten, die im Großen natürlich zusammenhängen, wurden unterschiedliche Farben gewählt. Gelbe, leicht unscharfe, von der Hitze flimmernde Bilder für die Geschichte Rodriguez, blaue, kalt wirkende für das Leben Wakefields und seiner Familie, während eine normale Farbgebung bei den Polizeieinsätzen, sowie bei dem Leben Helena Ayalas, da diese Handlungsstränge am Ende zusammenlaufen. Diese Idee ist vor allem eine gute Gedächtnishilfe um die Geschichten trennen zu können und ihnen leichter zu folgen.

Es werden also die verschiedenen Seiten und Akteure der Drogenproblematik beleuchtet, sowie die Möglichkeiten des einzelnen: Was ist er willens, zu tun, ist er bereit, seinen persönlichen Vorteil beiseite zu schieben? Wie kann man sinnvoll einschreiten?
Und wie akzeptabel ist der Konsum legaler Drogen, die ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens sind? Schließlich kann Wakefield ungestört seinen Alkohol trinken, was auch problematische Auswirkungen haben kann.
Bis er versteht, dass sein eigentliches Problem nicht der "Krieg gegen die Drogen" und dessen öffentliche Verkündung ist, sondern das Leben seiner Tochter, vergeht einige Zeit, und hier liefert der Film schon eine mögliche Lösung zur Bewältigung des Drogenproblems, zumindest wenn es bei Teenagern auftaucht: "Zuhören", wie Wakefield erkennt. Sein Kampf an zwei Fronten erschwert ihm diese Einsicht natürlich.
Rodriguez, der mexikanische Polizist, bietet eine weitere konkrete Lösung an: Was sich erst idealistisch anhört, ist eigentlich ganz einfach. Er fordert ein Ausbau der Sportanlagen, konkret soll die Beleuchtung des Baseball-Übungsplatzes auch nachts an sein, womit er die Kinder von der Straße holen will.
Auch die Realität in den amerikanschien Ghettos wird dargestellt. Die guten Verdienstmöglichkeiten und damit der Reiz des Drogengeschäfts ist nicht nur für Leute mit geringem Schulabschluss und wenig anderen beruflichen Chancen ist die treibende Kraft. Hierbei wird noch ganz bewusst die große Panik der amerikanischen Mittelschicht geweckt: Der schwarze Mann, der das weiße Mädchen mit Drogen versorgt und sie dabei noch vögelt (, was ein wenig an Charles Mansons Programm zur Erringung der Herrschaft erinnert). Dass das Problem in ihr selbst verwurzelt ist, deckt dieser Film gnadenlos auf.

Ein kleiner Wermutstropfen ist allerdings die Idee mit der Puppe aus Kokain, welche ihren realen Hintergrund haben mag, allerdings schon in dem Cheech and Chong-Film "Viel Rauch um nichts" in dem es sich um ein Auto aus gepresstem Marihuana handelt, auftaucht.

Aufgrund der komplexen Story, die in jeder Episode zu fesseln weiß, der Problematik des Themas und der Ernsthaftigkeit, mit dem sich der Film damit auseinandersetzt, den ohne Ausnahme super Schauspielern und auch wegen der schönen Farbgebung ein verdienter 4-facher Oscargewinner.

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Eine Nacht bei McCool`s
"Home, sweet home"

Jewel Valentine (Liv Tyler), eine femme fatale, ist auf der Suche nach einem schönen Haus. Um an dieses zu kommen, bezirzt sie erst Randy (Matt Dillon), der von ihrem Gestaltungswillen seines Hauses schon früh irritiert ist, bis er sich von ihrer Inbesitznahme schließlich nicht anders zu helfen weiß, als den Profikiller Burmeister (Michael Douglas) anzuheuern, der sie aus dem Weg räumen soll. In der Zwischenzeit sind Jewel weitere Männer verfallen, nämlich Randys Cousin, der erfolgreiche Anwalt Carl Harding (Paul Reiser), sowie der Polizist Dehling (John Goodman).

Das besondere dieses Films ist die Erzählstruktur. Die gleichen Begebenheiten werden aus der Sicht der jeweiligen Person stets verschieden erzählt, was schnell zu komischen Momenten führt. Dehling, der seine Geschichte einem Pfarrer erzählt, versucht natürlich, Randy als gewalttätigen Freund hinzustellen, während dieser seine Geschichte Burmeister erzählt und sich als Opfer darstellt. Alle sind Jewel verfallen, und so sind alle Erinnerungen leicht verzerrt und stark vernebelt vom männlichen Geschlechtstrieb.Die Komik, die hierbei aufkommt, macht den Film schon sehenswert, hinzu kommen noch die schräge Charakterzeichnung und nette Einfälle, wie die Nachbildung der Village People. Diese Zitierung geht noch weiter, wenn der Bruder des ermordeten Gangsters aufkommt, der im besten "Falling down"-Look Rache nehmen will. Man kann sich nur ausmalen, wie er auf dem Weg zum Haus in der Stadt schon gewütet hat, nachdem er von der Ermordung seines Bruders erfahren hat.
Matt Dillon (der wie in "Wild Things" einer autowaschenden Frau seine Aufmerksamkeit schenkt) weist hier eine extreme Ähnlichkeit zu Bruce Campell aus den "Evil dead"-Filmen auf, ob das beabsichtig wurde ist allerdings unklar. Auf jeden Fall sind die bekannten Schauspieler mitverantwortlich für den gelungenen Film, da jeder seiner Person eine individuelle, schräge Note verleihen kann. Besonders sehenswert ist John Goodman als Polizist, der allein durch seine Leibesfülle jedes Bild beherrscht, allerdings auch seine weiche Seite nicht verbergen kann, da ihn Jewel an seine tote Frau erinnert, deren Erscheinen ihn an einen Wink Gottes erinnert. Verständlicherweise wird der Priester unruhig, als er von seiner Liebesnacht mit ihr erzählt und will alle Einzelheiten wissen. Hier driftet der Film ein wenig in Klischees ab, wenn z.B. das Wort "Sex" in der Kirche fällt und sich die Nonne erschreckt umsieht. Dies kann man dem Film aber verzeihen, da sich diese Witze in Grenzen halten. Man kann aber nachvollziehen, warum die Männer so verrückt spielen, da Liv Tyler einfach umwerfend aussieht und sich dazu ihren sexuellen Wünschen fügt, egal ob sie nun jemand auspeitschen, die Frau ersetzen oder überhaupt eine Frau mit der man Sex haben kann, darstellen soll. Sie tut es und verfolgt damit natürlich ihre eigene Ziele von einem eigenen Haus und einer Heimat. Sehr sexy ist das Ohrläppchenlutschen, welches den Anwalt noch hibbeliger werden lässt.
Ob sie ihr Glück finden wird, muss man aber dahingestellt lassen.

Mit "Eine Nacht bei McCools" ist Harald Zwart eine schräge, spritzig-ironische Komödie gelungen, bei der vor allem der Schwachpunkt der Männer bloßgelegt wird. Witzige Dialoge und eigene Typen, sowie die dreigeteilte Erzählstruktur, die sich am Ende in einem schönen Shootout vereinigt, geben dem Film die eigene Note. Ein Spaß über die 90 Minuten Laufzeit!

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Wild Bill
"Wild Bill"- ein Western und weiterer schöner Film von Walter Hill.

James Butler Hickok (Jeff Bridges), genannt "Wild Bill", gelangt nach einer wilden Zeit, die ihn zur Legende machte, in den Ort Deadwood. Hier trifft er, neben vielen alten Bekannten, auf den jungen Jack McCall (David Arquette), der ankündigt, ihn zu töten. Wild Bill, dem ein grüner Star diagnostiziert wurde und ein wenig müde geworden, ist nun gezwungen, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Warum will der Junge ihn töten? Will er durch ein gewonnenes Duell berühmt werden oder stecken andere Gründe dahinter?
In weiteren Rollen spielen Ellen Barkin als harte Revolverlady Calamity Jane, sowie Christina Applegate, John Hurt und Keith Carrradine.

Dass die Geschichte auf einem wahren Hintergrund beruht, dürfte zumindest Westernfans bekannt sein. Hier wird, ziemlich frei, sein Leben nacherzählt. Und das mit einer wahren Überflutung seiner bisheriegen Schießereien. Hier wird eifrig Mythenbildung betrieben, so dass der Zuschauer sich rasch ein Bild des Gunman machen kann. Dies funktioniert auch ausgesprochen gut, da sie alle sehr flott und leicht ironisch in Szene gesetzt werden. Diese Ironie wird auf die Spitze getrieben als Bill gegen einen Rollstuhlfahrer antreten muss, ein Opfer seiner früheren Duelle, der es jetzt noch einmal wissen will. Dies erinnert leicht an den Ritter, aus "Ritter der Kokosnuss", der sich selbst bei größeren Handicaps nicht geschlagen geben will. Der Wille ist ja auch das Entscheidende!
Allerdings lässt sich Bill auf einen Stuhl fesseln, um die Chancengleichheit was die Mobilität angeht, wieder auszugleichen. Jeff Bridges spielt hier seine Rolle sowohl mit dem nötigen Ernst als auch mit dem nötigen Augenzwinkern.
Als langhaariger "Dude" dürfte er jedem bekannt sein, hier hat er deutlich gepflegtere Haare. Ein aufs Äußere Wert legender Revolvermann, der besonderes Augenmerk auf seinen Hut besitzt und richtig böse wird, wenn ihn jemand anfasst.
Seine Freude am Schießen merkt man in jeder Szene, vor allem das Ziehen sieht extrem cool aus, man spürt hier förmlich das Gewicht der Waffe. Hickok spürt langsam die Last des Alters.

Der große "Wild Bill" wird natürlich überall von allen angekackt, als bester Schütze muss er sich immer wieder neu beweisen. Einer der Herausforderer ist dann auch schließlich der junge Irre, super gespielt von David Arquette, der die für diese Rolle passendste Frisur trägt. Bill ist beeindruckt von ihm, vor allem deswegen, weil dieser noch ein Ziel im Leben besitzt, während Bill sich mit Kartenspielen und Alkohol die Zeit vertreibt. Dazu ist er ein fleißiger Konsument der "Chinesenpfeife" in der Opiumhöhle und hängt hier seinen Träumen nach, in denen er sich vor allem mit der Herkunft des Jungen beschäftigt, die verbunden ist mit seiner eigenen Vergangenheit. Diese Träume sind die am schönsten gefilmten Szenen des Films. Nur in Schwarz-Weiß werden hier seine Träume illustriert, darin auftauchende Figuren lösen sich auf im diffusen Weiß.

Sehr schön ist auch die Hommage an den europäischen Western der 60er. Hill verweist hier auf die gelungensten: Die Taschenuhr und ihre Musik aus Leones "Für ein paar Dollar mehr", dort lässt sie Indio (Gian Maria Volontè) erklingen, wenn er bekifft ist und seinen Erinnerungen nachhängt, der Schlamm und Dreck aus Corbuccis "Django", die Schießerei im Saloon in der Schneelandschaft aus ebenfalls Corbuccis "Leichen pflastern seinen Weg". Was er leider nicht übernommen hat, ist das auffälige Umfallen der tödlich Getroffenen mit einer ausdrucksstarken Halbdrehung und nach oben geworfenen Händen. Bei ihm fallen sie auf klassisch-amerikanische Weise auf kürzestem Weg nach vorne unten, dafür in eine Schlammpfütze.

Vorbildlich ist dann am Ende des Films das Spiel des Regiseurs mit den Erwartungen des Zuschauers, dem er eine Karikatur eines Finales serviert: Während man sofort einen blutigen Showdown erwartet, lässt sich Hill hier enorm Zeit. Während Bill und seine Begleiter umstellt und waffenlos sind, darf sich erstmal jeder seiner Freunde von ihm verabschieden oder ihm noch einen guten Rat mitgeben. Und als Bill dann erschossen werden soll, bekommt er statt einer Kugel einen lahmen Bibelspruch zitiert. Die Jugend von heute...

Zum Glück nimmt Bill die Sache dann selbst in die Hand und so bekommt man dann doch noch ein schönes Finale, inklusive der "Dead Man`s Hand" beim Pokerspiel.

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Dressed to kill
Während die Hauptpersonen nach der Befreiung ihrer Sexualität streben, sucht Regiseur Brian DePalma in "Dressed to Kill" nach der perfekten Optik, die er auch oft erreicht.

Kate ((Angie Dickinson) ist unglücklich in ihrer Beziehung, weshalb sie den Psychiater Robert Elliott (Michael Caine) aufsucht. Besonders ihre unerfüllten sexuellen Begierden, angesiedelt zwischen Vergewaltiung und Befriedigung, lassen sie leiden, weswegen sie außerehelichen Kontakt sucht. Schließlich geschieht ein Mord und die Frage ist: Wer hats getan?

Brian DePalma hat sich hier bei einem großen Vorbild bedient. Er zitiert Hitchcocks "Psycho" fast getreu in der ersten halben Stunde. Hier, wie dort, lädt eine Frau moralische Schuld auf sich. Anstatt einem Mord in einer Dusche, geschieht er hier in einem Aufzug, von der Größe vergleichbar einer Duschkabine. Auch hier sieht dieser äußerst eindrucksvoll aus. Und genau auf der Optik liegt DePalmas Hauptaugenmerk. Er schafft sehr ausdrucksstarke Bilder, wie den oben erwähnten Aufzugmord, das Finale im Gewitter und natürlich immer, wenn die vermeintliche Mörderin zu sehen ist, meistens in verwischten, unscharfen Bildern, Einzelheiten sind von ihr nicht zu sehen, und dennoch oder gerade deswegen, lässt ihre Erscheinung den Zuschauer unruhig werden.
DePalma findet aber auch die richtigen Bilder, wenn es darum geht, durch kleine Gesten Gefühle auszudrücken, was doppelt wichtig ist, da in der ersten halben Stunde kaum gesprochen wird, sondern das wankende, unsichere Innenleben Kates im Vordergrund steht. (Umso härter wird für den Zuschauer dann der erste Twist.) Durch die Verweigerung eines Kusses ihres Ehemanns und sein darauf folgendes beiläufiges Wangentätscheln legt einem die Beziehung offen. Ähnlich später im Museum, als Kate sich an den Fremden heranmacht, indem sie ihren Handschuh abstreift und Nahbarkeit zeigt. Ebenfalls sehr ansprechend ist Dickinsons Körper, der in voller Pracht in der Duschszene am Anfang zu bewundern ist.
Dieses Betrachten und befriedigen der eigenen Weiblichkeit bleibt einer Person im Film aber verwehrt, woraus sich größte Probleme ergeben. Es geht um die Suche nach sich selbst, um das Finden der eigenen Sexualität, um das Gefangensein im eigenen Körper. Kate Blick ist voller Bewunderung für das kleine Mädchen, dass im Museum ihren Eltern entwischt und wegläuft, da sie keine Lust mehr hat, Bilder zu betrachten. Diese Entscheidungsfreude und Durchsetzungskraft wünscht Kate sich auch.
Robert Elliott, der Psychiater, der eigentliche Fachmann in diesen Fragen, kann kaum helfen, auch er selbst ist unsicher, wirkt gehemmt, weiß nicht, wie er sich den sexuellen Avancen seiner Patientinnen widersetzen kann. Michael Caine spielt ihn bestens, er gibt der Rolle eine leicht arrogante, erst besonnene Seite, bis auch er den Halt verliert.

"Dressed to Kill" ist ein extrem spannender, verstörender Film, der mit Hilfe einer meisterhaften Optik versucht, in den Abgrund menschlichen Verhaltens zu blicken. "Psycho"-Kenner werden an der Spannung an manchen Stellen nur den halben Spaß haben, werden aber mehr als entschädigt durch die gelungene Umsetzung.

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Junge Adler
"Junge Adler" ist ein Propagandafilm der nationalsozialistischen Diktatur.
Der Film erzählt die Geschichte einer Gruppe Jugendlicher, die als Lehrlinge in einer Flugzeugfabrik arbeiten. Im Mittelpunkt steht der Fabrikantensohn Theo Brakke (Dietmar Schönherr), der in der Fabrik seines Vaters arbeiten muss, nachdem dieser ihn von der Schule genommen hat. Der Grund dafür ist Theos widerspenstiges Verhalten, da er an einer Ruderregatta teilnimmt und gewinnt, jedoch wurde es ihm von seinem Vater verboten.
Nach anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten wird er schließlich doch ein vollwertiges Mitglied der Lehrlingsgemeinschaft und gemeinsam schaffen sie es, die nach einem Fabrikbrand zerstörten Kanzlen für Flugzeuge in nächtlicher Freiwilligenarbeit neu anzufertigen und somit das Soll zu erfüllen.

Zentraler Mittelpunkt des Films, der Auszeichungen wie "staatlich wertvoll" und "jugendwert" erhielt, ist der Gegensatz zwischen Individualist und Gruppe. Ersterer stellt einen Typ da, der in den letzten Kriegsjahren nicht mehr gebraucht wird. Es handelt sich zwar um einen erfolgreichen Sportler, was der Sieg bei der Ruderregatta zeigt, allerdings ist er für die Gemeinschaft nutzlos, da er nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Erst durch ein Eingliedern und Unterordnen in die Gruppe können seine Kräfte optimal genutzt werden. Die Gemeinschaft wird hier als das natürliche Gesunde dargestellt. In dieser wird Theo von seinen schlechten Eigenschaften befreit und kann sich sinnvoll einbringen. Den optimalen Lehrling stellt Bäumchen (Hardy Krüger) dar. Er ist der kleine Blonde, der voller Freude und bei allem freudig dabei ist. Er stellt den gesunden Prototypen da, der durch keinen schlechten Einfluss gestört wurde, sondern sich gesund entwickeln konnte. Er verkörpert somit die Eigenschaften, die als nützlich galten.

Wichtig ist auch, dass als Arbeitsstätte exemplarisch eine Flugzeugfabrik gewählt wurde. Die Luftfahrt wurde von Beginn von Hitlers Herrschaft bewusst eingesetzt, um der eigentlich reaktionären Gesellschaftsstruktur eine moderne, fortschrittliche Verbindung zu geben. Dies zeigt sich schon in Hitlers Wahlkampfflügen, die wiederum verknüpft sind mit der Erlösermetaphorik, und hat seinen Ursprung im italienischen Faschismus. Schon Mussolini erkannte die propagandistischen Möglichkeiten der Luftfahrt, mit deren Dynamik und Fortschrittlichkeit eine Verknüpfung zum sich etablierenden Faschismus geschaffen werden konnte. Durch die Geschwaderflüge Italo Balbos über den Atlantik wurde die italienische Luftfahrt weltweit bekannt und als modernes Vorbild gerühmt. Auch von den Nationalsozialisten wurde dies bewusst eingesetzt, um die Jugend für die eigenen Ziele zu erreichen. Schulklassen wurden Flüge ermöglicht, um sie mit der neuen Technologie vertraut zu machen und dies wurde auch begeistert aufgenommen. Diese Begeisterung kommt durch Bäumchens Flug zum Ausdruck, dem ein kurzer Flug gestattet wird. Er erlebt die Freiheit über den Wolken und schenkt daraufhin auch seinem Adler die Freiheit und lässt ihn fliegen.

Ein weiterer Grund für die Inanspruchnahme der Luftfahrt ist der, dass es sich hierbei um eine neue Waffengattung handelte, wodurch es den Nationalsozialisten einfacher war, iher Vorstellungen durchzusetzen, im Gegensatz zum traditionellen Heer und der Marine, die in der Gesellschaft noch verknüpft waren mit der kaiserlichen Tradition. Nicht ohne Grund wird als Vertrauensmann der Lehrlinge ein alter Seemann gezeigt. Dadurch solte gezeigt werden, dass der Jugend und somit der Zukunft der Himmel gehört und die abnehmende Bedeutung der Marine (mit Ausnahme der U-Boote) zu zeigen, aber auch um eine Verbindung zur traditionellen, in die Jahre gekommenen Gesellschaft zu ziehen, damit sich diese auch noch sinnvoll eingeordnet fühlen kann.
Diese Verbindung zwischen Tradition und Moderne wird auch vermittelt, als es um Theos Lackschuhe geht, die er gegen schweres Schuhwerk eintauschen soll. Somit soll er wieder einen festen Stand auf dem deutschen Boden bekommen, wonach er erst wieder zu Höhenflügen, dem Fliegen, berechtigt ist und was wieder die Verknüpfung zwischen traditionellen Bildern und der Moderne zeigt.

Ordnung ist ein weiterer zentraler Wert, der vermittelt werden soll. Die Lehrlinge werden in Reih und Glied aufgestellt gefilmt und am Ende sieht man sie im geordneten Marsch an den fertigen Flugzeugen vorbeiziehen.

Man sieht also, dass der Film beladen ist mit ideologischen Tugenden, die vermittelt werden sollen. Selbst heute fällt es schwer, diese zu erkennen und zu durchschauen und man darf natürlich den Hintergrund nicht vergessen, worauf all dies abzielte: Auf den aufopferungsfähigen Soldaten, der sich bereitwillig und gerne in die Gemeinschaft einordnet und nicht aus der Reihe tanzt und auch in letzter Konsequenz zu töten, ohne zu hinterfragen. Mystifiziert wird das ganze noch durch Einstellungen, die die Jugendlichen bei der Arbeit zeigt. Aus der von unten nach oben gefilmten Einstellung, die den Körper überhöht darstellt, erinnert nicht zufällig an die Filme Lein Riefenstahls. Hier muss man dem Regisseur Alfred Weidenmann auch ein großes Können attestieren, der dann auch später sein Können noch z.B. in "Canaris" oder in der Serie "Der Kommisar" zeigen konnte. Einer Serie, in der nicht ohne Grund in fast jeder Einstellung Alkohol getrunken wurde, eine leicht zu interpretierende Handlung, als Versuch, nicht an die Vergangenheit erinnert zu werden.

Die Schnitte erscheinen sehr modern. Sie leiten von Szene zu Szene über, indem sie aus der ersten Elemente übernehmen und in die nächste miteinführen. Auch das große Finale ist effektvoll inszeniert und führt auf ein großes Happy End hin, was ja eine logische Konsequenz darstellt, wenn man den Erzeihungscharakter des Films berücksichtigt, der ja belohnt werden muss.

Die jungen Darsteller machen ihre Sache sehr gut. Die Begeisterung, die sie spielen sollen, wirkt authentisch. Etwas komisch wirkt heute natürlich die Begeisterung, mit der sie ihre Überstunden ableisten.

"Junge Adler" ist ein gut inszenierter Film, der durchaus unterhält, allerdings darf man nicht den geschichtlichen Hintergrund vergessen (von Krieg ist im Film direkt nicht die Rede und auch die Gesellschaft und Stadt wird als intakt und idyllisch dargestellt).
Er ist sicherlich eine Empfehlung wert, wenn man an der Machart und Wirkungsweise von Propagandafilmen interessiert ist.

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Death Proof
"Ich mache meine fucking Wäsche, wann ich meine fucking Wäsche machen will."
Wer Lust hat, Dialoge auf diesem Niveau zu lauschen, sollte sich Quentin Tarantinos neuen Film "Death Proof" anschauen. Alle anderen: Lasst es sein!

Stuntman ermordet Frauen, indem er mit seinem Auto in die ihren kracht.
Ja, stimmt, dass ist die Inhaltsangabe des Films.
Es ist das, was man an einer die Geschichte vorantreibenden Handlung festellen kann und diese wurde konsequent, übertrieben, sehr gemein und knallhart inszeniert. Daran kann man dann auch exakte fünf Minuten seine Freude haben.
Wie wurden nun die restlichen 108 Minuten des Films mit Inhalt gefüllt?
Mit endlosen Dialogen von zweimal vier jungen Frauen, die sich in ihrer eigenen Schönheit, Jugend und der daraus anscheinend zwangsläufig folgenden Coolness sonnen. Das Zitat oben steht exemplarisch für ihren Lebensinhalt: Ich mache was ich will und wann ich es will. Diese Stärke ist allerdings bei den ersten vier Frauen nur vordergründig, da es die Männer immerwieder schaffen, sie umzustimmen (siehe Autoknutschen oder Lapdance), was dann auch dazu führt, dass sie von Stuntman Mike gefickt werden, um im Jargon des Films zu bleiben. Erst die zweite Frauengruppe ist stark genug, und wickelt die Männer um den Finger. All dies ist ja ein interessantes Thema und passt zur aktuellen Debatte um die "Alphamädchen", die den Männern das Leben in Zukunft noch schwerer machen werden, allerdings ist die Umsetzung davon einfach grottig:
1. Problem: Die gesprochene Sprache des Films funktioniert einfach nicht mehr. Was Mitte der Neunziger neu und cool war, ist heute nur veraltet und platt und langweilig. Vielleicht war eine Hommage an die Filme der Siebziger geplant, allerdings hatten diese etwas, was Death Proof vollkommen fehlt: Der Charme des Unbeholfenen, Unvollkommenen, des Gewollten, ohne Einsicht in die begrenzten Mittel, die verfügbar waren. (Dies wird zumindest vermittelt, vielleicht auch wegen der zeitlichen Distanz.) Und so zieht sich das alles in die Länge und man ist gelangweilt und sitzt enttäuscht vor der Leinwand und denkt sich: "Öde."

Und hierauf folgt das 2. Problem: Die alt und fehlerhaft wirken sollende Darstellung, also kurzer Farbwechsel, Schlieren und Risse auf der Spule, usw.. Hier wirkt es einfach zu professionell, um Spaß zu machen. Man weiss, dass es gewollt ist, und dieses Wissen verleidet dem Zuschauer die Lust am Sehen.

Ein 3. Problem gibt es noch: Warum steigt die Stuntfrau nicht während der Verfolgungsjagd am Ende schnell in den Wagen? Gelegenheiten hätte sie genug dafür.

Fazit: Gewollt schlecht ist eben auch schlecht.

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"Born to fight"- thailändische Kinokunst!
Schon bei der Menü-Hintergrundmusik der DVD wird klar, wohin die Reise geht: ins ACTIONLAND.

Der Polizist Daew (Don Chupong), Nachname tut nichts zur Sache, fährt mit seiner Schwester zum Austeilen von Spenden in die Provinz.
Da sein Partner kurz zuvor bei einem Einsatz umkam, ist er ein wenig schwermütig und so entschließt er sich, nachdem er sich mit drei Bier ins Nirvana gesoffen hat, für diese selbstlose Tat.
Also, nichts wie los! Moment, die Schwester muss noch eben in den Adidas-Sportanzug schlüpfen, damit man gleich erkennt: Hier handelt es sich um eine Sportlerin. Genau wie alle anderen, die die drei Streifen tragen.
Hütet euch, Bösewichte, vor Thais in diesen Sportanzügen!
Doch, oweh, diese Schurken hat niemand gewarnt und so fallen sie in das die Spenden empfangene Dorf ein und nehmen sämtliche Leute als Geiseln.
Der Anführer ist ein böser Mann, was man an der bösen Narbe auf seiner Wange auch sogleich erkennt.
Nachdem klar wird, dass er und seine finsteren Gefolgsleute nicht gekommen sind, um eine Runde Rattanfußball zu spielen, ersinnt Daew eine List. Nach Ausarbeitung eines uglaublich komplexen Befreiungsplan, der an Dr. Mabuses Genie in der Ausarbeitung von Superplänen fast heranreicht, wendet er sich an die Mitgefangenen.
Doch die sind schwer zu überzeugen. Seine ergreifende Ansprache: "Lasst uns kämpfen!" kommt erstmal nicht so gut an. Lasst uns erstmal gemeinsam die Nationalhymne singen, danach kann man beruhigter sterben, denken sich wohl die Geiseln.
Äh, wie war nochmal der Plan? Achso, kämpfen.

Als gelernter Polizist kann Daew nun endlich schöne 3d-shooter-action zeigen, die Sportlerfreunde machen sich hingegen mit leichten Übungen langsam warm. Ein weiteres Don`t für angehende Schurken:
Kämpft nicht auf einem Schwebebalken gegen eine Turnerin!

Der Kampf neigt sich dem Ende zu und um noch einmal, für eine letzte Anstrengung, die letzten Kräfte zu mobilisieren, wird die Flagge aufgefangen bevor sie auf den staubigen Boden sinkt, und mit pathetischer Miene bis zum Filmende geschwenkt. Zum Glück hält sie der Fußballer, der kämpft nämlich nur mit seinen Füßen.
Und auch unser Held benötigt für den finalen Endkampf seine gesamte Energie: Sein Stirnband muss er sich unbedingt noch umbinden, das Gehirn muss schlieslich festgezurrt sein, damit die Gedanken nicht davonfliegen und er seinen Plan vergisst. Äh, gegen wen geht nochmal der Endkampf, welche Stadt muss ich retten, was mach ich nochmal hier?

Nachdem man sich nun eine Träne, wegen des herzzerreisenden Abschieds am Ende des Films, verstohlen aus den Augenwinkeln gewischt hat, wobei die Anzahl der winkenden Dorfbewohner noch überraschend groß ausfällt, kann man noch einmal richtig staunen, und sich amüsieren:

Im Abspann wird der Dreh der Stunts gezeigt. Und die sind einfach unglaublich! Die hauen sich wirklich! Die brechen sich wirklich die Knochen! Und der Feuerlöscher musste auch noch schnell gemietet werden, nachdem der brennende Stuntman schon auf dem Boden zappelt!
Soviel Durchgeknalltheit verdient betrachtet zu werden!

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Hallo an alle Filmfreunde
Diese Seite richtet sich an jeden, der Interesse und Freude an Filmen hat. Im Laufe der Zeit werden vor allem Filmkritiken zu lesen sein, Kommentare zu diesen sind willkommen.
Bei den Kritiken soll kein bestimmtes Genre im Vordergrund stehen, vielmehr wird es ein bunter Strauß an den verschiedensten Filmen aus dem unerschöpflichen Fundus der Filmgeschichte sein.
Außerdem werden Filme, die im Fernsehen kommen, empfohlen, sowie aktuelle Kinofilme vorgestellt.

Viel Spaß beim Lesen,
flonold

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